Abi-Denkmal: Gedenkpark des Schüler-Leids

Abi-Denkmal – ein interessanter Presseartikel

Liebe Abiturklassen,
 
zum Thema „Abi-Denkmal“ haben wir einen schönen Presseartikel im Netz gefunden. Klaus Koch schrieb für die Lokalausgabe Donaueschingen des Südkuriers folgende Zeilen:
 
Jahrgangs-Abschiedsgaben beim Fürstenberg-Gymnasium: 
Witzig-skurrile Zeitdokumente 

Monotone Fensterfronten und Ordnung atmende Hofanlangen. Manche Schulhöfe wirken steril. Ein Kontrastprogramm dazu liefert das Fürstenberg-Gymnasium. Sein Schulhof ist eine (Ge-)Denkstätte der Emotionen früherer Schülergenerationen, ein witzig-skurriler Skulpturenpark, in dem sich über die Jahre die Abschlussjahrgänge mit ihren „Abschiedsgaben“ verewigt haben. Manche sind augenfällig und selbsterklärend, andere subtiler und teils schon in Vergessenheit geraten. Und es gibt ein „Abi-Denkmal“, an dem sehr tragische Umstände hängen.
 

Abi-Denkmal

Abi-Denkmal


Rutschbahnen, Stoppschilder, ein Telefonhäuschen, ein Wachturm, von dem aus der Schulleiter, damals war es Manfred Glunk, das Geschehen von hoher Warte aus verfolgen sollte: Kaum etwas, was in Anspielung auf damals aktuelle Zustände an der Schule, die ständige Ausnahmesituation des verfügten Stillsitzens und Lernens, aber auch im kuriosen Spiegel der Zeitläufe nicht ins Spaßhafte, oder auch mal ins krasse Gegenteil verkehrt wurde. Es sind die Abschlussjahrgänge, die sich nach getaner Arbeit zu verewigen trachten, mit ihrer Reifeprüfung in die Welt hinaus entlassen werden, dort als Firmeninhaber, Globetrotter oder Medienschaffende Karriere machen. Verständlich, dass sie ihrer Lehranstalt, der „Penne“, wie sie sie heute noch respektlos nennen, zum Abschied ihre Referenz erwiesen.
 
Ein Teil dieser Hinterlassenschaften ist schon wieder „abgeräumt“, der Witterung anheim gefallen, kompostiert oder aussortiert. „Nicht fürs Leben lernen wir, sondern für den Numerus Clausus“, texteten die Abiturienten 1976 eine „Breitseite“ aufs Schulgemäuer. Im Nachklang der 70-er Jahre wurde 1982 erstmals ein Wandbild offiziell genehmigt, das eine überdimensionale Sonne zeigte, verbunden mit dem inständigen Wunsch „Let the sunshine in…“ (Lass´ die Sonne rein). Der Schriftzug „Wem die Stunde schlägt“ neben der Schuluhr erinnert nicht nur an Stress, „absolute Pünktlichkeitserwartung“, sondern auch an schweißgebadete Heranwachsende, die im festen Vorsatz, den Prüfungsanforderungen der jeweils nächsten Stunde, den bohrenden Fragen des auf korrekte Vektoraddition bestehenden Paukers, die Hände in den Taschen ballten und dem Vorsatz, „cool“ zu bleiben, doch so oft nicht nachkommen konnten.
 
Der Abiturjahrgang 1986 bannte den Schuldirektor an einen Marterpfahl, der künstlerisches Geschick erkennen ließ. 1993, kurz nach der Wende, versenkte der Abi-Jahrgang kurzerhand ein „Heilix Blechle“ aus Plastik, Marke „Trabant“ in der Erde, wo bis heute nur noch Kühlerhaube und Motorhaube aus dem Rasen ragen. Hans-Hermann Gehring, lange Zeit prominenter Bestandteil des gymnasialen Lehrkörpers, erinnert sich heute noch mit Vergnügen an den Einfall des Jahrgangs ´97, der Schule einen Eisenbahnwaggon als Aufenthaltsraum im Freien und gelegentliches „Raucherzimmer“ zu vermachen.
 
Sogar die Lieferung des Betons für das Fundament, auf dem der Waggon ruhen sollte, war mit einem Zementunternehmen bereits besprochen. Der Gedanke war gar nicht so schlecht.
 
Doch was mit Dach, Fenstern und Türen versehen ist, muss auch in Schuss gehalten werden, meinte die Schulleitung. Wer sollte zusätzlich zur normalen Pausenaufsicht auch noch ein Auge auf das Gelegenheitsdomizil werfen, wer nach morgendlichem Vesper saubermachen? So wurde denn aus einer nahezu preisverdächtigen Intuition im Nachhinein nur noch ein Gedenkstein mit Blümchen und der Inschrift, dass die lange Planung von Oktober 1997 bis April 1998 am Ende im Sand verlaufen sei. Ein Hinweis auf die Mühlen der Schulbürokratie, die langsam mahlen: Hier verstarb, so heißt es, der gut gemeinte Ansatz an „mangelnder Zuneigung des Direktorates“.
 
In jüngeren Jahren (2001) kam als Symbol für die von Fluglärm geplagte Donaustadt ein hölzerner „Abi-Flieger in kurzlebiger Leichtbauweise“ hinzu, 2002 eine Telefonzelle, auf deren Rückseite eine Sanduhr prangte.
 
Ein einzelner Gedenkstein entzieht sich allerdings bis heute der oberflächlichen Betrachtungsweise. Die jüngeren Jahrgänge wissen nicht mehr, von wem er gestaltet wurde, für die älteren hat sich der Mantel gnädigen Vergessens über jenes Überbleibsel gelegt, das sich unter einer stattlichen Fichte verbirgt. Eigentlich sollte auch dieser Gedenkstein nur die „Abschiedsgabe“ des Jahrgangs 1978 sein. Doch die Ereignisse hefteten ihm nachträglich anderes an. Er erinnert unfreiwillig an heulende Sirenen, panische Menschenmassen und ein Unglück, das Donaueschingen für einen unglückseligen Zeitraum in den Mittelpunkt bundesweiter Schlagzeilen brachte. Denn der Jahrgangsstein wurde ausgerechnet von jenem jungen Schulabgänger beschriftet, der blankes Entsetzen hervorrief, als er am 26.September des Jahres 1980 eine Rohrbombe auf dem Münchener Oktoberfest explodieren ließ und 13 Menschen in den Tod riss: Gundolf Köhler, der Geologiestudent und Ex-Fürstenberg-Schüler, dem aufgrund von Indizienbeweisen der Anschlag zur Last gelegt wurde. Die Inschrift des Steins auf dem Schulgelände wirkt zynisch vor diesem Hintergrund: „Und wenn ich auch wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“.

Quelle: Südkurier  > 3- 4- 2004 < Lokalausgabe Donaueschingen, Klaus Koch

http://webuser.fh-furtwangen.de/~vs-fg/presse/p2004/gedenkpark.htm

 

Abi-Denkmal – Ideen undVorschläge

Die abigrafen.de haben auch einige Ideen und Vorschläge für ein Abi-Denkmal zusammen getragen. Lest dazu auch folgende Blog-Artikel:

» Abi-Denkmal – Die ‚ich-zeig-dir-wie’s-geht-Wand‘
» Abi-Denkmal – bleibende Eindrücke / Erinnerungen schaffen
 
Für das abigrafen.de Team,
Regina

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